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Unser Leben als Gastfamilie
 

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Höhen und Tiefen im Leben einer Gastfamile

Ich arbeite nun schon über eine Woche und lasse meinen kleinen Frosch jeden Tag bei unserem Au Pair. Zum Glück sind meine größten Befürchtungen ausgeblieben und die beiden verstehen sich super, so dass ich ganz beruhigt arbeiten kann.

Leider läuft es nicht auf jedem Gebiet so harmonisch. Unser liebes Au Pair ist tatsächlich auf so eine Internetabzockfirma hereingefallen, soll 480,-€ für ein Zweijahresabo für eine Seite bezahlen, die Insolvenzware, Restposten und Produktionsüberschüsse an Gewerbetreibende verkauft. Klar könnten wir jetzt sagen: „Du hast dich da angemeldet, also sieh zu, wie du da wieder rauskommst.“ Nur sind wir eben etwas anders gestrickt und wir kümmern uns darum, da sie das mit ihren Sprachkenntnissen gar nicht könnte.

Das bedeutet für uns Briefe in ihrem Namen schreiben, abschicken und mit einem Anwalt sprechen. Zum Glück wurde uns von mehreren Seiten versichert, dass wir das ganze aussitzen können, da diese Firma es wohl nicht auf eine Klage ankommen lassen würde, da sie in 90% aller Fälle bisher verloren hätte. Jetzt hoffen wir, dass die uns irgendwann in Ruhe lassen, wenn wir gegen jede Zahlungsaufforderung, notfalls mit Hilfe eines Anwalts, Widerspruch einlegen. Sollte das nicht reichen, werden wir nach ihrer Abreise einfach für alle Post, die an Zaya adressiert ist, die Annahme verweigern.

Ich hoffe aber inständig, dass sie so etwas nie wieder tut, denn nochmal, und das weiß sie auch, werden wir ihr so nicht mehr aus der Patsche helfen. Naja zumindest sage ich das jetzt. Wenn sie wieder wie ein Häufchen Elend vor mir steht, weint und fragt, ob sie jetzt wieder gehen müsste, knicke ich bestimm wieder ein - ich kenn mich doch...

Allerdings habe ich es bereits zweimal geschafft sie sprachlos vor Freude zu machen. Das erste Mal hat sie von uns einen Fotoapparat geschenkt bekommen. Der war zwar nicht neu, aber so, dass ich ihn auch für mich gekauft hätte. Schon in ihrer ersten Woche hier hat sie immer wieder davon gesprochen, dass sie gern einen Fotoapparat hätte. Ich habe ihr dann gesagt, wo man die kaufen kann und habe selbst mal ein wenig geschaut, was die günstigen Teile denn taugen. Mein Fazit: NICHTS! Also habe ich bei Ebay einen für sie ersteigert. Als ich ihr die Kamera geschenkt habe, hat sie sich so gefreut, wie ich es nie für möglich gehalten habe. Aber das war so schön zu sehen…

Und gestern habe ich sie vor Freude hüpfen und kreischen lassen. Ich habe ihr tatsächlich zwei gute Karten für das One Direction Konzert in Düsseldorf besorgt und das zu einem absolut fairen und nicht überteuerten Preis. Dazu muss ich sagen, dass sie erst vor zwei Tagen von dem Konzert ihrer absoluten Lieblingsband erfahren hat und mich bat, mit ihr gemeinsam im Internet die Karten für sich und ihre Freundin zu kaufen. Mir war dann leider ziemlich schnell klar, dass das Konzert schon längst ausverkauft war – heute weiß ich, dass alle Karten schon nach wenigen Stunden verkauft waren… Ich habe ihr dann nicht viele Hoffnungen gemacht, dass ich noch Karten bekomme und mich dann auf die Suche gemacht. Zum Glück habe ich dann tatsächlich noch ein Angebot für 2 Konzerttickets gefunden, die noch nicht weiterverkauft waren und nicht zu einem typischen „Ich-kaufe-extra-ein-paar-Karten-mehr-um-sie-extrem-überteuert-weiterzuverkaufen“ Preis angeboten wurden. Jetzt warten wir auf die Post, damit sie ihren kleinen, persönlichen Schatz auch in den Händen halten kann.

Heute Abend wird sie wohl wieder todmüde ins Bett fallen, da heute wieder ihr Schwimmkurs ist. Ich finde es immer wieder erstaunlich zu sehen, wie wenig Muskeln sie hat, aber in der Mongolei ist es wohl völlig normal, dass man keinen Sport macht. Für mich ist das kaum vorstellbar, da ich eigentlich immer irgendwie Sport getrieben habe, wo mir einfällt, dass ich mir neue Joggingschuhe kaufen wollte… Wahrscheinlich gilt Zaya, wenn sie wieder zu Hause ist, als absolute Sportskanone, weil sie schwimmen und fahrradfahren kann. Allerdings müsste sie dafür wieder zurück in ihre Heimat gehen, was sie, so zumindest mein Gefühl, momentan eher nicht vorhat…

9.4.14 11:51, kommentieren

Zwei Wochen Experiment Au Pair - ein Fazit

Ich bin seit zwei Wochen eigentlich Zweifach-Mama! Und wenn ich ehrlich bin – so hab ich mir das nicht vorgestellt…

Neben meinem kleinen Frosch habe ich momentan noch eine Teenietochter, zumindest fühlt es sich oft so an.

Zaya schläft jeden Tag bis 9:00 Uhr, was bedeutet, dass sie erst aufsteht, wenn ich Julius zu seinem Vormittagsschlaf hinlege. So hat sie dann etwa 1,5 Stunden, in denen sie ganz in Ruhe frühstücken kann – natürlich alleine. Dann zieht sie sich in ihr Zimmer zurück und kommt erst wieder runter, wenn Julius wieder wach geworden ist.

Überall lässt sie ihre Tassen stehen und kann mir mal einer sagen, warum man drei Tassen gleichzeitig im Gebrauch haben muss? Leider schafft Zaya es auch nicht, ihr benutztes Geschirr in die Spülmaschine zu räumen, es wandert immer in die Spüle…

Sie verbringt abends Stunden am Laptop und skypt mit ihren Freundinnen. Dazu setzt sie sich aber nicht in ihr Zimmer, sondern sitzt bei uns im Wohnzimmer. Ob wir fernsehen oder nicht, ist ihr dabei scheinbar egal. Sie stört es zumindest nicht, wenn wir ihn lauter machen…

Ständig geht sie in die Stadt um einzukaufen… Ihre Lieblingsläden sind H&M und Rossmann. Fragt mich nicht, warum gerade Rossmann, aber immer wenn man sie fragt, wo sie sich was Schönes gekauft hat, nennt sie diese beiden Läden…

Dann futtert sie sich durch unsere Süßigkeitenvorräte, was mir an sich völlig egal ist, da nicht ich dick werde, ich keine Zahn- oder Bauchschmerzen bekomme und keine Pickel. Allerdings ärgere ich mich schon darüber, wenn sie nicht mit uns essen will, weil sie so viel Süßes gegessen hat und das ich meine Lieblingskekse nun verstecken muss… Zu ihrem Süßigkeitenkonsum habe ich zwei nette kleine Geschichten aus den letzten Tagen.

Kleine Anekdote vom Frühstückstisch:

Ich: Zaya möchtest du Tee oder Kaffee?
Zaya: Nichts, nur Wasser. Wenn ich viel Süßigkeiten esse, bekomme ich Pickel und schlechte Haut. Dann muss ich viel Wasser trinken.
Ich: Oder weniger Süßes essen!
Zaya lacht: Ja, aber schmeckt so gut!

 

Abends, bevor sie zum Sprachkurs musste:
Ich: Möchtest du noch was essen, bevor du los musst?
Zaya: Ja!
Ich: Soll ich dir ein Brot abschneiden oder möchtest du Obst?
Zaya: Nichts, ich möchte Süßigkeiten...
Sprachs und holte sich die Packung Kekse.
Zaya: Mein Bauch tut weh!
Johannes: Dann iss doch weniger Süßes!
Zaya: Ich kann aber nicht!
Ich: Wenn du das nicht lernst, muss ich die Süßigkeiten ganz wegräumen. Dann findest du sie nicht mehr.
Zaya: Wäre besser.
Und futtert weiter ihre Kekse...

ABER: Sie kommt prima mit Julius zurecht! Der Kleine lacht und strahlt, wenn er mit ihr zusammen ist. Wenn Zaya mit ihm spielt, ist sie sehr ausdauernd. Sie hat genug Geduld, ihn in den Schlaf zu begleiten. Und wenn ich ehrlich bin, ist mir das viel wichtiger, als abends in Ruhe fernsehen zu können, schmutziges Geschirr in der Spülmaschine zu haben und meine Kekse nicht verstecken zu müssen. Wir hoffen einfach, dass sich alles andere durch Gespräche, die wir mit ihr führen, und klare Anweisungen regeln und abstellen lässt. Außerdem glaube ich, dass es für sie einfacher wird, wenn sie klare Zeiten hat, an denen sie arbeiten muss und nicht mehr dieses Lotterleben führen muss.

Momentan habe ich auch oft das Gefühl, sie langweilt sich, weil sie hier eigentlich nichts zu tun hat, außer ab und an Julius zu bespaßen. Aber wenn ich ehrlich bin, ist es mir ziemlich egal! Ich will die letzten Tage, die ich mein Fröschlein noch den ganzen Tag um mich haben kann, auch mit ihm verbringen und genießen. Schon in ein paar Tagen sieht es eben anders aus und ich verbringe an manchen Tagen nur noch 3 Stunden mit ihm, bevor er ins Bett geht…

Ach, wenn ich daran denke, dass ich vor einem Jahr auch hier auf der Couch gesessen und versucht habe mir vorzustellen, wie es wohl sein wird, wenn der Kleine endlich da ist, wie er wohl aussieht und wie lange wir noch auf ihn warten müssen, werde ich richtig wehmütig. In ein paar Tagen habe ich kein Baby mehr, sondern ein Kleinkind und die Zeit, in der ich ausschließlich für diesen kleinen Menschen da war, ist endgültig zu Ende. Oh wei, wie soll das erst an Julius 1. Geburtstag werden, wenn mir jetzt schon nach Heulen zumute ist…

1 Kommentar 20.3.14 14:25, kommentieren